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Industrie 4.0 – Diese Trends werden wichtig!

Die Digitalisierung ist unumkehrbar. Unternehmen sollten dringend anfangen, ihre Geschäftsprozesse zu digitalisieren.

Seit der Hannover Messe 2011 ist der Begriff Industrie 4.0 gesetzt. Kaum eine Debatte um die Zukunft der Wirtschaft kommt ohne ihn aus. Manchmal ist auch vom Industrial Internet, dem Internet of Things oder der Digitalisierung die Rede. Gemeint ist immer das Gleiche – das Zusammenwachsen von analoger und digitaler Welt. Und dadurch – so die Erwartung – entstehen enorme Wertschöpfungspotenziale.

Auch in diesem Jahr wird das Thema auf der Hannover Messe eine zentrale Rolle spielen. Aufregende Technologien und überzeugende Best Practices werden vorgestellt. Bei aller Euphorie lässt sich aber auch nach dann sechs Jahren feststellen: Vision und Realität liegen noch ein gutes Stück auseinander. Gleichwohl hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Und das betrifft nicht nur die technologische Dimension. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass die Digitalisierung alle Aspekte ihres Denkens und Handelns einschließt.

Kunden- statt Produktperspektive

So beispielsweise die eigene Blickrichtung. Während in der Vergangenheit die Produktperspektive die Regel war, nehmen immer mehr Unternehmen konsequent die Sicht ihrer Kunden ein – nicht nur im B2C-, sondern ebenso im B2B-Bereich. Das heißt: Erfolgreiche Unternehmen verstehen die Erwartungen und Anforderungen ihrer Kunden genau und richten sich exakt darauf aus. Sie verändern zum einen die gesamte Kommunikation und ermöglichen ihren Kunden, zu jeder Zeit und über den von ihnen bevorzugten Kanal – analog oder digital – zu interagieren: um Produkte zu kaufen oder Support zu erhalten. Zum anderen kommen sie dem Wunsch nach möglichst individuellen Produkten nach. Die neuen Technologien sind dabei Enabler. Damit sie ihr volles Potenzial entfalten, muss sich aber zunächst die Kultur in den Unternehmen weiter wandeln – und zwar auf allen Hierarchieebenen und über sämtliche Fachbereiche hinweg. Die IT-Abteilungen werden dabei zu Initiatoren und Motivatoren.

Plattform statt Pipeline

Auch die Geschäftsmodelle geraten zunehmend in den Fokus. Interessant ist vor allem, dass dabei die Wertschöpfungslogik hinterfragt wird. Bislang herrschte vor allem das Pipeline-Modell vor. Ein Unternehmen beschafft Einzelteile und Vorprodukte, fertigt daraus das von ihm entwickelte Produkt und verkauft dieses an den Kunden. Je besser dieser lineare Wertschöpfungsprozess beherrscht wird, je effizienter die einzelnen Prozessschritte ausgestaltet sind, je höher die abgesetzte Menge und der Preis pro Stück ist, desto höher fällt der Gewinn aus. Im Zuge der Digitalisierung wird nun immer häufiger über das Plattform-Modell gesprochen. Nicht zuletzt, weil viele der aufstrebenden Startups auf diese Weise erfolgreich sind – zum Beispiel Airbnb und Uber. Beide Unternehmen stellen selbst keine Produkte her, sondern bringen lediglich Anbieter und Nachfrager zusammen – und lassen sich das bezahlen. Je größer ihr Netzwerk wird und je mehr Deals abgeschlossen werden, desto höher fällt ihr Gewinn aus. Denkbar sind aber auch Plattform-Modelle, bei denen physische Produkte im Zentrum stehen. So können beispielsweise Maschinen künftig so offen entwickelt werden, dass es für externe Anbieter leicht möglich ist, Daten von den Maschinen abzugreifen oder an sie zu übergeben, weitere Komponenten zu integrieren oder Services anzubinden. Voraussetzung ist auch hier ein Umdenken. Nicht Isolierung führt zum Erfolg, sondern Offenheit.

Netzwerk statt Pyramide

Basis für alle Aktivitäten in einer digitalisierten Welt ist der Umgang mit den wachsenden Datenmengen. Für fertigende Unternehmen wird dabei das MES als Verbindung zwischen Shopfloor und kaufmännischer Welt eine wichtige Rolle spielen. Allerdings ändern sich aktuell die Rahmenbedingungen. Aus der Automatisierungspyramide wird ein Automatisierungsnetzwerk – das ist jedenfalls eine viel geäußerte Meinung. Grundsätzlich ist gegen diese Einschätzung auch nichts einzuwenden, es lohnt sich aber ein differenzierter Blick. Assoziiert wird mit der Pyramide, dass Informationen stets durch alle hierarchisch organisierten Systeme geleitet werden. Der Auftrag wird im ERP-System angelegt und gelangt dann via MES, SCADA und SPS zur Maschine; Maschinen- und Betriebsdaten fließen in die entgegengesetzte Richtung. Das ist tatsächlich vergleichsweise starr und unflexibel. Im Netzwerk dagegen tauschen die einzelnen Komponenten Daten direkt untereinander aus. Das ERP-System kommuniziert dann zum Beispiel unmittelbar mit den Anlagen im Shopfloor. Und die Anlagen selbst sind mit so viel Intelligenz ausgestattet, dass sie nicht grundsätzlich auf ein nachgelagertes System angewiesen sind. Das Ergebnis: Mehr Effizienz und Flexibilität.

Dass alle neuen Maschinen und Anlagen in naher Zukunft in der Lage sind, sich miteinander zu vernetzen und autonom zu agieren, ist sicher. Schließlich ist das der Kern des Internet of Things. Das bedeutet aber nicht, dass nachgelagerte Systeme – und hier besonders MES – obsolet werden. Denn erst sie können Daten aus mehreren Quellen zusammenführen und zu Erkenntnissen verdichten. Um das zu leisten, müssen die MES der nahen bis mittleren Zukunft zwei Anforderungen erfüllen: Sie müssen eng mit den ERP-Systemen verzahnt sein, weil diese auch in absehbarer Zeit den kaufmännischen Bereich dominieren. Und sie müssen über eine offene Architektur verfügen, die es erlaubt, sämtliche externe Quellen anzubinden und Funktionalitäten nach Bedarf zu integrieren.

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